Anforderung Pflegeplatz
  • Igel überwintern

Sie sind ja schon wirklich putzige Gesellen, wenn wir sie in ihrem Stachelkleid mit dem  flauschig-haarigen Köpfchen, ihren schwarzen Knopfaugen, dem feuchten Schnuffelnäschen und den kleinen Plüschohren betrachten. Wer möchte hier nicht helfen und so einem Wesen das Überleben ermöglichen?

 

  • Wer einen (Jung-)Igel überwintern möchte, muss aber auch folgendes wissen:

 

Igel bevölkern seit vielen Millionen Jahren in fast unveränderter Form diese Erde und verlieren ihre natürlichen Lebensräume und Nahrungsgrundlagen mehr und mehr. Sie sind durchaus abwehrbereite, weder domestizier- noch zähmbare, in freier Natur mit Keimen und Parasiten belastete nachtaktive Einzelgänger, deren Reviere im urbanen Bereich etwa die Größe von 8-10 Fußballfeldern haben können, in denen sie pro Nacht durchaus 3 Kilometer und mehr zurücklegen. Die Reviere können sich mit anderen Igelrevieren durchaus überschneiden. Die Tiere gehen sich in der Regel aus dem Weg, können aber auch in heftigen Streit mit Artgenossen geraten. Sie sehen schlecht, können dafür aber gut tasten und ausgezeichnet hören und riechen. Was bedeutet das für die Igelhaltung in menschlicher Obhut?

 

Ein Igel ist weder Kuscheltier noch Spielzeug!

 

  • Hygiene

Die an Igelpaten vermittelten Tiere sind von Igelkundigen medizinisch versorgt und in der Regel frei von Parasiten und Krankheiten. Unabhängig davon laufen sie hemmungslos durch ihre Häufchen und Pfützchen, die keimbelastet sein können und nicht zuletzt können wir Menschen unsere –für einen Igel durchaus gefährlichen Keime- auf ihn übertragen. Ach ja, richtig fest stechen und gelegentlich beißen können sie auch noch. Deshalb: lieber Handschuhe beim direkten Umgang mit den Tieren und auch beim Reinigen des Käfigs und anschließend gründlich Händewaschen!

 

  • Umgebung

Der Igel ist nachtaktiv und verfügt über ein ausgezeichnetes und daher empfindliches Gehör. Deshalb mag er keinen Lärm, insbesondere keine Knack- oder Zisch-Laute. Den Kontakt mit Menschen bitte unbedingt auf ein Minimum beschränken, damit die Tiere ihre angeborene Vorsicht und Schutzreflexe nicht verlieren und mögliche Übertragung unerwünschter Keime unterbleibt. Kontakt zu anderen Haustieren sollte unterbleiben. Egal wie groß der Käfig ist, das Bewegungsbedürfnis der Tiere ist erheblich eingeschränkt. Damit sind die Tiere vermutlich einer Stress-Situation ausgesetzt, die unbedingt berücksichtigt werden muss. Wir empfehlen die Einzelhaltung, um bessere Kontrolle über Futter- und Wasseraufnahme sowie Ausscheidungen zu haben. Außerdem werden Ansteckungen vermieden. Der Igel braucht eine ruhige, nicht zu kalte (16-20°) und gut zu lüftende Umgebung, solange er noch nicht genügend Gewicht für den Winterschlaf hat. Selbst bei ausreichendem Gewicht haben Igel in menschlicher Obhut gelegentlich Probleme damit, sodass die Temperatur dann nicht abgesenkt werden kann und kontinuierlich aber vorsichtig weitergefüttert werden muss, damit die Tiere nicht übergewichtig werden.  Wesentliche Voraussetzung für den Winterschlaf sind Temperaturen zwischen 5-0°C in einer geschützten, regen-, schnee- und windsicheren Umgebung. Mehr Informationen zum  komplexen Thema Winterschlaf erhalten Sie unter "Links & Tipps".

 

  • Käfig

Um einen Igel zu überwintern, braucht es einen ausreichend großen und ausbruchssicheren Käfig. Die Mindestgröße sollte ein RABBIT 100  (100x50cm) sein, mit dem wir gute Erfahrungen haben. Die gibt es in Bau- und Gartenmärkten oder im Internet für etwa 30€. Alles was darüber hinausgeht ist natürlich besser, wenngleich wir seinen natürlichen Lebensraum in der Gefangenschaft nicht darstellen können. Das Unterteil soll aus Kunststoff sein. Der Gitteraufsatz muss relativ enge Gitterstäbe (max. 3cm) und eine große Klappe an der Oberseite haben. Bei kleinen Igeln unter 400g empfiehlt es sich, die Gitter auf der Innenseite mit Pappe zu verkleiden, damit das Tier nicht zwischen die Gitter klettert und sich dort verletzt. Kleine Klappen an der Käfigseite mit Kabelbindern oder Draht zu fixieren, damit der Igel sie nicht aufdrücken kann. Sollte statt Gitter ein Holzrahmen ohne Deckel verwendet werden, so muss dieser mind. 50cm hoch sein. Der Verein proIgel empfiehlt, den Käfig mit Zeitungspapier auszulegen. Dieses muss aber täglich komplett gewechselt werden, die Saugfähigkeit ist schlecht und dem Igel zu glatt. Heu, Stroh, Laub, Watte, Füllmaterial aus Mais oder Kunststoff sind völlig ungeeignet. Wir verwenden seit Jahren Holzpellets, die im Landhandel, Bau- oder Supermärkten zu bekommen sind. Der 15kg-Sack kostet etwa 5€. Damit sind Zeit- und Müllaufwand deutlich geringer, der Igel kann auf diesem etwas naturnahen Untergrund seine Krallen besser ablaufen oder graben und Häufchen und Pfützchen lassen sich leichter beseitigen. Die Geruchsbindung ist ebenfalls gut. Den Käfigboden bedecken wir mit einer etwa 3cm dicken Schicht Pellets (1/2 Sack). Jetzt müssen täglich nur noch die Hinterlassenschaften punktuell mit einem Löffel entfernt und die Stellen mit Pellets aufgefüllt werden. Die Pfützchen kann man gut erkennen, da hier die Pellets auseinanderfallen und der Sägemehlfleck gut sichtbar ist. So kann man auch feststellen, ob und wie viel Urin abgesetzt wird.

 

  • Häuschen

Igelhäuschen sind im Handel erhältlich, können aber mit etwas handwerklichem Geschick auch selbst gebaut werden. Der Deckel sollte abnehmbar sein. Dem Igel ist es egal, ob sie schön oder rechtwinklig sind. Wichtig ist für ihn, das Tür (mind.10x10cm) und Haus (mind.30x25x20cm) groß genug sind. Wenn das Haus einen Boden hat, diesen bitte mit einer dicken Schicht Zeitung auslegen und diese von Zeit zu Zeit kontrollieren und ggf. erneuern, da Igel durchaus ihre "Geschäfte" im Häuschen erledigen. Gefüllt wird das Häuschen mit locker geknülltem Zeitungspapier oder Küchenrolle. Besser ist Zeitungspapier, das sich von oben nach unten problemlos in schmale, gerade Streifen reißen lässt. Einfach ausprobieren. (Man kann ihm zusätzlich auch ein paar Stücke Küchenrolle in den Käfig legen, die vielleicht zum Nestausbau verwendet werden.)

 

  • Ernährung

In Gefangenschaft können wir dem Igel seinen natürlichen Speiseplan kaum bieten. Er bevorzugt eigentlich alle Arten von Käfern und in Ermangelung derer leider auch Schnecken und Regenwürmer. Schnell abgehandelt ist das Thema Flüssigkeit: Wasser, sonst nichts! Anderes gilt nur für Igelbabies oder schwer kranke Tiere, die aber unbedingt in ganz fachkundige Hände gehören. Schwieriger wird es bei der festen Nahrung zumal im Internet die wildesten Speiseangebote favorisiert werden. Obst und Nüsse gehören nicht unbedingt zum Speiseplan. Es gibt nicht das Igelfutter. Igel sind wählerisch und sprunghaft in der Wahl ihrer Mahlzeiten, aber nach einiger Zeit stehen die Lieblingsgerichte fest. Katzentrockenfutter für kleine Katzen (Kitten) mit hohem Fleischanteil hat sich bewährt und wirkt etwas gegen Zahnsteinbildung. Gute Erfahrungen haben wir mit Bifensis junior von Purina gemacht, obwohl der Fleischanteil eher gering ist. Größe und Textur scheinen wohl den Beutetieren zu entsprechen. Spezielles Igelfutter im Handel ist zwar teuer aber von geringer Qualität und - wie auch Mehlwürmer, Bienenmaden usw. - als Alleinfutter nicht geeignet. Gerne genommen wird Katzennassfutter (Pastete) ohne Sauce oder Gelee (kein Fisch!), wobei „teuer“ nicht unbedingt „gut“ ist. Man kann einen Teelöffel Haferflocken unter das Nassfutter rühren, was sich positiv auf die Geruchsentwicklung auswirkt und hilfreich bei der Verdauung ist. Vorhandene Fleischbröckchen mit der Gabel kleindrücken. Weiches Rührei oder Rinderhack ungewürzt in Öl gebacken oder gehäutete Hähnchenunterkeulen ungewürzt und durchgekocht finden ebenfalls Liebhaber. Man kann das gekochte Fleisch auch kleinschneiden und mit etwas Kochwasser übergießen, was dann sehr gerne geschlabbert wird.  Letztlich hat jeder Igel seine Vorlieben die gerne auch mal wechseln. Wichtig ist zu beobachten, ob der Teller leer ist, der Igel sich gesund entwickelt und moderat (ca. 9-15g tgl.) an Gewicht zulegt. Für Wasser und Nahrung braucht es unbedingt standfeste Schälchen. Wir verwenden glasierte Blumentopfuntersetzer aus Ton mit etwa 1-2 cm hohen Rand und bis zu 10cm Durchmesser, die immer heiß abgewaschen werden müssen. Sehr gut sind natürlich kleine Nagerschalen mit nach innen gewölbten Rand, weil sehr standfest. Untertassen oder Schälchen sind wenig hilfreich. Der Igel stellt sich auf den Rand und der Tellerinhalt ergießt sich in den Käfig.

 

  • Gesundheit

Der Igel ist ein geschütztes Wildtier. Ihn aus der Natur zu entnehmen ist nur in engen Grenzen und mit dem Ziel der Auswilderung eines gesunden, lebensfähigen Tieres erlaubt. Das bedeutet: sorgfältige Unterbringung, tägliche Versorgung, verantwortungsvolle Beobachtung seiner Entwicklung insbesondere durch regelmäßiges Wiegen (min. 1 mal wöchentlich) und genauer Betrachtung. Gewicht, Medikamentengabe (sofern erforderlich). Kotbeschaffenheit oder Besonderheiten bitte regelmäßig in einem „Pflegebericht“ aufschreiben, damit man bei Problemen etwas Ursachenforschung betreiben kannIst der Igel im Winterschlaf, dann bitte nicht mehr stören!

 

  • Fazit

Einen Igel zu pflegen bedeutet etwas finanzielle aber täglich zeitliche Investition und damit persönliche Einschränkung im Tagesablauf, die mit wenig Gegenliebe, vielleicht mit einem gelegentlichen Augenzwinkern der Stachelritter beim Wiegen belohnt wird oder er läßt sich abends bei geringer Beleuchtung und wenig Geräuschen auch schon mal beim Futtern zuschauen. Das Ganze zieht sich über mehrere Wochen und bedeutet ohne eingewiesene Vertretung weder verlängertes Skiwochenende noch Sonnenurlaub in Süden.

Eine Kurzfassung dieses Textes finden Sie hier als PDF zum Ausdrucken

 
 
 
 
 
 
 
sind vorhanden
werden geschaffen (vor Übernahme des Tieres)
 
 
 
 

Sie möchten einen Igel pflegen und überwintern? Dann freuen wir uns!

 

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Wir melden uns zeitnah, um die Einzelheiten zur Übergabe zu besprechen oder Fragen zu klären. Sie erhalten bei der Übergabe des Tieres umfassende Informationen über Eigenheiten, Fressgewohnheiten u.ä. Außerdem stehen immer gerne als Ansprechpartner für Fragen während der ganzen Überwinterungszeit zur Verfügung und erkundigen uns auch gelegentlich selbst nach dem Befinden des Wintergastes. Abschließend eine große Bitte: Wenn Sie doch merken, dass diese Aufgabe sie überfordert oder zu stark einschränkt oder andere Gründe eine Versorgung nicht mehr möglich machen, geben sie uns eine Information. Das gleiche gilt, wenn sich der Gesundheitszustand oder das Allgemeinbefinden des Tieres verschlechtern. Hier bitte ebenfalls frühzeitig Informieren. Wir holen den Igel dann ohne Groll wieder zurück.